Von Anita Egg, Gemeinderätin
Er hatte grau und kühl begonnen und grau geendet, dieser Sonntag, der 12. April 2026. Heiss wurde es nur im Stadthaus–Foyer, wo zahlreiche Anwesende einen Nachmittag lang den Endresultaten entgegenfieberten. Die Zwischenresultate wurden bangend und hoffend erwartet. Glücksbringer und Unheilbote war Michel Gelin, Leiter Marketing und Kommunikation, der jeweils die Updates übermittelte. Von den Anwesenden immer sehnlichst erwartet, insbesondere von der grossen Schar der Kandidierenden.
Am Ende des Tages war klar: Wir von der SP verlieren einen Sitz im Gemeinderat. Zugegeben, das haben wir nicht erwartet – sind wir doch überzeugt, uns engagiert für die Bevölkerung einzusetzen, auch und besonders für jene mit kleinem Portemonnaie. Von der Fortschrittsallianz hat leider auch die GLP einen Sitz eingebüsst. Dass die FDP auch zwei Sitze verliert und nur noch zu dritt antreten wird, ist kein Trost. Mit einer gestärkten SVP und dem Vertreter von Aufrecht wird unser Parlament im Juli einen bedenklichen Rechtsrutsch erleiden. Das macht mir Sorgen, da die Mitte angetreten mit dem Slogan «Mut zur Mitte» diesen Mut wohl nicht aufbringen, sondern weiterhin die rechte Ratseite stärken wird.
Und es kam noch schlimmer. Alle Kandidierenden für den Stadtrat erreichten das absolute Mehr. Auf dem siebten Platz Roman Walt mit nur drei Stimmen mehr als der auf Platz acht gelistete Christoph Fischbach. Eine Wiederholung der Auszählung der Stimmzettel für die Stadtratswahlen drängte sich auf und war für den kommenden Freitag angesagt. Als eine der Beobachter:innen war ich bei der Auszählung dabei. Leider werden die SP, wie auch die Grünen die nächsten vier Jahre nicht im Stadtrat vertreten sein. Roman Walt wird im Juli sein neues Amt antreten. Ich wünsche ihm viel Erfolg. Er wird im bürgerlich dominierten Stadtrat keinen leichten Stand haben.
Leider war die Stimmbeteiligung mit einem Anteil von 25% erneut sehr niedrig. Ist es Demokratiemüdigkeit, Desinteresse, kein Vertrauen in unser politisches System, wird die Möglichkeit zur Mitbestimmung nicht erkannt oder bräuchte es mehr politische Bildung? Schade, dass vor einigen Monaten die bürgerliche Mehrheit im Parlament die Schaffung einer Stelle zur Demokratieförderung verhindert hat. Unsere direkte Demokratie ist ein kostbares Gut, das es zu pflegen und fördern gilt – heute wie auch morgen.
Am Dienstag, 7. Juli beginnen die nächste vier Legislatur. Wir von der SP werden uns weitere vier Jahre für bezahlbare Wohnungen, sichere Velowege, eine verkehrsberuhigte Stadt, bezahlbare Kinderbetreuung, eine Tagesschule, Klimaschutz, lebendige Quartiere und ein vielfältiges Vereinslesen einsetzen.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die uns und mir ihre Stimme gegeben haben. Wir kämpfen weiter!
Diese Kolumne erschien am 23. April im “Klotener Anzeiger”.
