von Max Töpfer, Gemeinderat SP
In Zürich wirbt ein Freisinniger mit dem Slogan «Wo, Wo, Wohnige» für seine Kandidatur fürs Stadtpräsidium. Der Spruch ist nicht neu. Seit den 1980ern steht er für den Protest der linken Wohnbewegung gegen steigende Mieten. Die Werbekampagne ist aber mehr ein Marketing-Gag als ein Bekenntnis für mehr bezahlbare Wohnungen.
Nicht nur in Zürich, auch in Kloten hat die FDP das Thema für sich entdeckt. Ihr Rezept ist altbekannt: Man müsse einfach mehr Wohnungen bauen, den Rest regle der Markt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch ein anderes Bild. Seit dem Amtsantritt des Bauvorstands Roger Isler (FDP) im Jahr 2017 ist der Wohnungsbestand in Kloten um 1’254 Wohnungen gewachsen – gleichzeitig sind die Angebotsmieten um 21 Prozent gestiegen.
Warum ist das so? In einer Antwort auf einen FDP-Vorstoss hält der Stadtrat fest, dass die explodierenden Bodenpreise ein Haupttreiber der steigenden Mieten sind. Das überrascht kaum. Immobilien gelten als sichere und rentable Anlage. Immer mehr Kapital drängt deswegen auf das knappe Bauland. Wo viel Geld auf wenig Boden trifft, steigen die Preise. Hinzu kommt, dass auch ausländisches Kapital über Beteiligungen an Schweizer Firmen in den Immobilienmarkt fliesst. 2014 verhinderte die rechtsbürgerliche Mehrheit im Ständerat eine Verschärfung der sogenannten «Lex Koller», mit der solche ausländischen Beteiligungen unterbunden worden wären. Die Spekulation wurde dadurch weiter angeheizt und die Bodenpreise in die Höhe getrieben.
Ein weiterer Preistreiber sind illegale und überhöhte Renditen, weil das Mietrecht nicht eingehalten wird. Denn gemäss Gesetz sind die Renditen eigentlich gedeckelt. Eine Studie belegt, dass trotzdem Mieterinnen und Mieter 2023 gesamthaft 10.5 Milliarden Franken zu viel Miete bezahlt haben – im Schnitt sind das rund 360 Franken pro Monat und Haushalt. Viele verzichten aus Unwissenheit oder aus Angst vor Konflikten mit dem Vermieter darauf, ihre Rechte einzufordern. Die SP hat deshalb im vergangenen Dezember im Gemeinderat beantragt, dass die Stadt Kloten Mietende besser informiert und unterstützt. FDP, SVP und Mitte lehnten den Vorstoss ab. Auch auf nationaler Ebene greifen diese Parteien das Mietrecht an. Die Leidtragenden sind einmal mehr die Mieterinnen und Mieter.
Wenn FDP, SVP und Mitte betonen, sie stünden für bezahlbare Wohnungen ein, passt das kaum zu ihrem politischen Handeln. Die Folge ihrer Politik sind steigende Mieten und wachsende Renditen. Für viele Menschen hat das konkrete Folgen: Leerkündigungen, drastische Mietaufschläge, der Verlust des vertrauten Umfelds. Die Geschichte der Familie Widmer vom Lerchenweg, die ihr Zuhause nach fast 50 Jahren verlassen musste, steht exemplarisch dafür. Hinter jeder Statistik stehen Lebensgeschichten. Menschen, die hier verwurzelt sind und sich plötzlich kein Zuhause mehr leisten können.
Die SP setzt sich seit Jahren für bezahlbare Wohnungen und die Rechte der Mieterinnen und Mieter ein. Mit klaren Resultaten: Dank dem Gegenvorschlag zur Bodeninitiative kann die Stadt Kloten einfacher Land erwerben. So wird Boden dauerhaft der Spekulation entzogen. Gemeinnützige Bauträger erhalten die Möglichkeit, darauf bezahlbare Wohnungen ohne Rendite und im Interesse der Mieterinnen und Mieter zu bauen.
Vor wenigen Tagen haben wir zudem unsere neue Initiative für mehr bezahlbare Wohnungen mit 1’022 Unterschriften eingereicht. Die hohe Zahl an Unterschriften – fast ein Zehntel der Stimmberechtigten – zeigt, wie gross der Handlungsbedarf ist. Die Wohninitiative verlangt, dass bei Auszonungen mindestens die Hälfte und bei Ein- und Umzonungen mindestens ein Viertel der zusätzlichen Wohnungen preisgünstig angeboten werden. FDP, SVP und Mitte haben entsprechende Anliegen im Gemeinderat bislang blockiert. Mit der Wohninitiative korrigieren wir das.
Auch gegen die zunehmende Umnutzung von Wohnungen zu Airbnbs und Business-Apartments setzen wir uns im Gemeinderat ein. Wohnraum soll in erster Linie zum Wohnen da sein.
Diese Kolumne erschien am 5. März 2026 im Klotener Anzeiger.
